Verzögerte Antibiotikaverschreibung bei leichten Atemwegsinfekten

  • r -- Little P, Moore M, Kelly J et al. Delayed antibiotic prescribing strategies for respiratory tract infections in primary care: pragmatic, factorial, randomised controlled trial. BMJ 2014 (6. März); 348: g1606 [Link]
  • Zusammengefasst von: Anne Witschi
  • infomed screen Jahrgang 18 (2014) , Nummer 4
    Datum der Ausgabe: August 2014

Unkomplizierte Infektionen der oberen Atemwege sollen gemäss Guideline des «NICE» (National Institute for Health and Care Excellence) nicht oder nicht sofort mit Antibiotika behandelt werden, da diese oft nicht wirksam sind und die Resistenzentwicklung fördern. Mit dieser Studie sollte der Einfluss verschiedener Antibiotikaverschreibungs-Strategien auf den Krankheitsverlauf solcher Infekte untersucht werden. Personen, die aufgrund des Schweregrades ihrer Erkrankung sofort mit Antibiotika behandelt werden mussten, wurden mit Personen ohne sofortige Antibiotikatherapie verglichen. Letztere wurden in fünf Gruppen eingeteilt: bei Persistenz oder Verschlechterung der Symptome musste die erste Gruppe das Gesundheitszentrum erneut kontaktieren, die zweite Gruppe erhielt ein nachdatiertes Rezept zugeschickt, die dritte konnte ein Rezept holen, die vierte Gruppe konnte in eigenem Ermessen ein anlässlich der Konsultation mitgegebenes Rezept einlösen, und die fünfte Gruppe erhielt gar keine Antibiotika verschrieben. Die Beobachtungsperiode dauerte einen Monat. Primärer Endpunkt war der Schweregrad der Symptome, die von den Patientinnen und Patienten auf einer Skala von 0 bis 6 festgehalten wurden. Messparameter waren Allgemeinbefinden, Husten, Halsweh, Ohrenweh, Kurzatmigkeit, verstopfte oder laufende Nase, Schlaf und Körpertemperatur an den Tagen zwei bis vier nach der Konsultation.

889 Personen aus 25 verschiedenen Arztpraxen wurden von 2010 bis 2012 in die Studie aufgenommen. Davon erhielten 333 (37%) sofort Antibiotika, während von den restlichen 556 Personen 264 verzögert Antibiotika einnahmen. Bei ähnlich ausgeprägter Symptomatik war der Antibiotikakonsum in den fünf Gruppen vergleichbar. 26% der Personen in der Gruppe ohne Verschreibung gegenüber 33% bis 39% in den Gruppen mit verzögerter Verschreibung nahmen Antibiotika ein (97% bei sofortiger Antibiotikaverschreibung). Der Krankheitsverlauf gestaltete sich in allen fünf Gruppen gleich und war auch mit dem Verlauf in der Gruppe mit sofortiger Antibiotikagabe vergleichbar. Die Zufriedenheit war bei denjenigen am höchsten, welche nachträglich ein Antibiotikarezept holen oder selber entscheiden konnten, ob sie ein mitgegebenes Rezept einlösen wollten. Zweitkonsultationen waren in allen fünf Gruppen gleich häufig. Die Häufigkeit von Komplikationen war in allen Gruppen nicht signifikant verschieden.

Diese Studie bestätigt, dass man bei mindestens zwei Dritteln der Patientinnen und Patienten mit leichter Erkrankung der Atemwege auf Antibiotika verzichten kann (durchschnittlicher Schweregrad 0,92 bis 0,99 von 6 Punkten in den Gruppen ohne initiale Antibiotikatherapie, 1,15 in der Gruppe mit sofortiger Therapie), und dass man mit der Antibiotikaverschreibung ein paar Tage zuwarten darf. Die Umsetzung dieser Erkenntnis in die alltägliche Praxis ist wichtig, um eine Resistenzbildung von Bakterien gegenüber Antibiotika zu verzögern.

Zusammengefasst und kommentiert von Anne Witschi

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infomed-screen 18 -- No. 4
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Verzögerte Antibiotikaverschreibung bei leichten Atemwegsinfekten (August 2014)