Kardiovaskuläre Risiken der Entzündungshemmer

  • m -- Trelle S, Reichenbach S, Wandel S et al. Cardiovascular safety of non-steroidal anti-inflammatory drugs: network meta-analysis. BMJ 2011 (11. Januar); 342: c7086 [Link]
  • Zusammengefasst von: Peter Ritzmann
  • infomed screen Jahrgang 15 (2011) , Nummer 3
    Datum der Ausgabe: Juni 2011

Seit dem Debakel bei der Einführung von Rofecoxib (Vioxx®) sind die kardiovaskulären Risiken der nicht-steroidalen Entzündungshemmer (NSAR) ein kontrovers diskutiertes Thema geblieben. Erhöhen COX-2-selektive Entzündungshemmer das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse besonders stark oder handelt es sich um einen Effekt, der bei allen NSAR in gleichem Masse ins Gewicht fällt? Mit einer Netzwerk-Meta-Analyse von Studien, in denen NSAR untereinander oder mit Placebo verglichen worden waren, versuchte eine Gruppe aus Bern zu zeigen, ob und welche Unterschiede zwischen den verschiedenen NSAR in dieser Frage bestehen (in einer Netzwerk-Meta-Analyse werden die in den direkten Vergleichsstudien beobachteten Unterschiede standardisiert und so auch nicht direkt verglichene Behandlungen einander indirekt gegenübergestellt).

In die Meta-Analyse aufgenommen wurden 31 Studien, 13 placebokontrollierte und 18 direkte Vergleichsstudien mit insgesamt mehr als 100'000 Untersuchten. 7 verschiedene NSAR wurden in diesen Studien untersucht, 4 COX-2-selektive (Rofecoxib, Lumiracoxib, beide nicht mehr im Handel, sowie Celecoxib = Celebrex® und Etoricoxib = Arcoxia®) sowie Naproxen (Proxen® u.a.), Diclofenac (Voltaren® u.a.) und Ibuprofen (Brufen® u.a.). Tendenziell waren kardiovaskuläre Ereignisse unter allen NSAR häufiger als unter Placebo. Signifikant waren die Unterschiede für Myokardinfarkte unter Rofecoxib, für Schlaganfälle unter Diclofenac, Lumiracoxib und Ibuprofen und für den Tod an einem kardiovaskulären Ereignis unter Diclofenac und Etoricoxib. Klare Unterschiede zwischen den einzelnen untersuchten NSAR liessen sich nicht darstellen, Naproxen scheint gemäss den Studienverantwortlichen die geringsten kardiovaskulären Risiken der untersuchten NSAR aufzuweisen.

Dass NSAR das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse erhöhen, bestätigt diese neue Meta-Analyse. Klare Schlüsse bezüglich relativer Sicherheit von verschiedenen NSAR lässt sie aber höchstens begrenzt zu. Das liegt einerseits daran, dass kardiovaskuläre Ereignisse in randomisierten Studien selten auftreten, die Resultate daher grosse Unschärfen enthalten. Andererseits ist eine Netzwerk-Meta-Analyse aber ganz grundsätzlich eine problematische Methode, da auch Interventionen miteinander verglichen werden, für die es keine direkten Vergleichsuntersuchungen gibt. Dass Naproxen vergleichsweise gut abschnitt, deckt sich allerdings mit früheren Einschätzungen aus der Rofecoxib-Debatte.

Zusammengefasst von Peter Ritzmann

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infomed-screen 15 -- No. 3
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Kardiovaskuläre Risiken der Entzündungshemmer (Juni 2011)