Dank, Projekte, Zahlen

ceterum censeo

Der Abschluss eines pharma-kritik-Jahrgangs ist jeweils eine gute Gelegenheit, Rechenschaft abzulegen und Perspektiven aufzuzeigen.

Zunächst ein Wort zu unserer Zeitschrift: "pharma-kritik" hat schon schlechtere Zeiten gekannt. Sie erinnern sich: nachdem der 1994er Jahrgang erst im August 1995 abgeschlossen werden konnte, haben wir die "offizielle" Datierung bei der Heftnummer unterdrückt und dafür jeweils am Ende jeder Nummer das Datum des Redaktionsschlusses angegeben. Erst seit dem Jahr 2000 ist es gelungen, die Erscheinungsweise des Heft-Jahrgangs allmählich dem Kalenderjahr "anzunähern". Diese letzte Nummer der 2001er Jahrgangs erscheint im April 2002. So hoffen wir, in nicht allzu ferner Zukunft unsere Jahrgänge einigermassen innerhalb des entsprechenden Jahres veröffentlichen zu können.

Das Hauptverdienst an diesem Fortschritt fällt den beiden Mitredaktoren Urspeter Masche und Peter Ritzmann zu. Der "harte Kern" des Infomed-Teams umfasst zur Zeit ausserdem auch meine Frau Verena, die sich um die ganze Administration kümmert und Thomas Weissenbach, der für "infomed-screen" hauptverantwortlich zeichnet. Es versteht sich von selbst, dass in einem so kleinen Team alle in der einen oder anderen Weise an allen Aktivitäten beteiligt sind. Ebenso selbstverständlich darf ich - wie viele Abonnentinnen und Abonnenten wissen - auch mit der Hilfe weiterer Familienmitglieder rechnen. Last not least ist das Team unserer Gemeinschaftspraxis zu erwähnen, das uns in verschiedenen Bereichen das ganze Jahr nützliche Hilfe leistet. Allen möchte ich wieder einmal ganz herzlich danken. Besonderen Dank verdienen auch Ariane de Luca, die bis im Herbst 2001 mitgearbeitet hat, sowie die 37 Kolleginnen und Kollegen, die für den aktuellen Jahrgang Texte kritisch durchgesehen haben und so entscheidend zur Qualität des Blattes beigetragen haben.

Die beschriebene positive Entwicklung kann uns allerdings nicht ganz vergessen machen, dass unsere Zeitschrift erstmals seit vielen Jahren weniger als 5000 Abonnentinnen und Abonnenten hat. Es gibt dafür natürlich eine Reihe von einleuchtenden Erklärungen, nicht zuletzt die Tatsache, dass es heute viel mehr Gemeinschaftspraxen als noch vor 20 Jahren gibt. Wir haben uns vorgenommen, wieder aktiver für unsere Zeitschrift zu werben.

Wie geht es weiter? Für das Jahr 2002 konzentrieren sich unsere Kräfte darauf, die Abschlusstermine trotz neuen Projekten einzuhalten. Wenn sich alle anderen Projekte nach Wunsch entwickeln (siehe unten), gelingt es uns vielleicht im Jahr 2003, unserer Zeitschrift das seit langem überfällige "Facelifting" zu verpassen.

Wir werden im Laufe des Frühsommers das gemietete "Verlagshaus" an der Blumenaustrasse verlassen. Heute ist keine regelmässige Präsenz am Verlagsort mehr notwendig. Das heisst nicht, dass die Kontakte innerhalb des Redaktionsteams vernachlässigt würden: wir treffen uns häufig, wenn auch zum Teil nur in einer Telefonkonferenz. Auch die Tatsache, dass alle wichtigen Informationsquellen "online" erhältlich sind, erlaubt uns, mit weniger Räumlichkeiten auszukommen. Das Verlagshaus hat uns während einigen Jahren auch dazu gedient, fachspezifische Internetkurse durchzuführen. Das Bedürfnis nach solchen Kursen hat stark abgenommen, ist aber nicht völlig verschwunden. Deshalb haben wir es so eingerichtet, dass bei uns auch in Zukunft Kurse stattfinden können, wenn auch in etwas kleinerem Rahmen.

Die Aktivitäten des Infomed-Teams beschränken sich nicht auf das Recherchieren und Redigieren. Viele Kolleginnen und Kollegen nehmen die Möglichkeit wahr, sich von unserem Team zu einem konkreten Arzneimittelproblem beraten zu lassen. So kommt es, dass wir uns fast jeden Tag mit einer neuen Fragestellung aus Praxis oder Klinik auseinandersetzen. Dies wäre nicht möglich, wenn uns nicht dank der Stiftung info-pharma zusätzliche Finanzen zur Verfügung stünden. Diese erlauben uns, die notwendigen Informationsquellen zu beschaffen (bzw. diese über das Internet zu konsultieren) und tragen natürlich auch in bescheidenem Ausmass zur Entlöhnung aller Mitarbeitenden bei. Ich bin ausserordentlich dankbar für das Ergebnis des Spendenaufrufs im Spätherbst 2001: in Form von kleineren und grösseren Beiträgen haben uns Abonnentinnen und Abonnenten dieses Blattes diesmal eine Summe von rund 40'000 Franken zur Verfügung gestellt. Dass wir einen so namhaften Betrag empfangen durften, bestärkt mich in meiner Überzeugung, eine echt unabhängige Arzneimittelinformation entspreche dem Bedürfnis sehr vieler Kolleginnen und Kollegen in Praxis und Offizin.

Die verbesserten Stiftungsfinanzen eröffnen uns auch die Freiheit, neue Fortbildungs-Projekte zu realisieren. Ein solches Projekt wird zur Zeit gerade abgeschlossen: es handelt sich um die CD "Pharmakotherapie-Vormittag am Aroser Kongress 2002". Dank dieser CD ist es möglich, dass jedermann, der einen Windows-Computer (bzw. einen Computer mit Windows-Emulation) benützen kann, den integralen Inhalt des Aroser Fortbildungsvormittags hören und sehen kann. Ein Inhaltsverzeichnis mit "Hyperlinks" gestattet es, an eine beliebige Stelle der dreiteiligen Fortbildung über Antidepressiva, Asthmabehandlung und neue Medikamente zu "springen". Das Projekt wird von der Stiftung info-pharma getragen und ist somit finanziell unabhängig vom Aroser Kongress. Die CD eignet sich selbstverständlich nicht nur zur individuellen Fortbildung, sondern kann ganz flexibel auch in kleineren oder grösseren Fortbildungsgruppen eingesetzt werden. Wer sich für die CD interessiert, kann sie bei Infomed zum symbolischen Preis von 50 Franken kaufen.

Noch nicht so weit gediehen ist das Projekt, zum Inhalt unserer Zeitschriften "kreditwürdige" Instrumente zur individuellen Fortbildung anzubieten. Seit Jahren offerieren wir ja regelmässig Fragen und Antworten zum Inhalt von "pharma-kritik". Wir möchten dieses Angebot so erweitern, dass sich damit anerkannte Fortbildungs-Kredite erwerben lassen. Analoge Pläne bestehen auch für "infomed-screen". Wir werden wieder darüber berichten.

Für ein spezielles, eigentlich schon längst fälliges Projekt haben wir einen speziellen Kredit erhalten. Ein Basler Gönner, Dr. Paul Naeff, hat der Stiftung vor etwas mehr als einem Jahr 60'000 Franken zur Verfügung gestellt, mit dem expliziten Zweck, eine Neuausgabe des Buches "100 wichtige Medikamente" zu ermöglichen. Damit ich selbst noch in diesem Jahr die nötige Zeit finde, mich intensiv mit dieser Neuausgabe zu befassen, war es notwendig, weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden, damit "pharma-kritik" nicht erneut hoffnungslos in Verzug gerät. Die grosszügige Spende wird nun einerseits dazu dienen, neuen Mitarbeitenden einen Lohn zu sichern; ein Teil der Finanzen ist anderseits für die verschiedenen Buch-Vorarbeiten reserviert.

Ich mache mir keine Illusionen: für die erste Auflage der "100 wichtigen Medikamente" habe ich die Freizeit vieler Monate hingegeben. Natürlich sind jetzt nicht alle "100 wichtigen Medikamente" von 1994 zu ersetzen, aber wahrscheinlich 30 bis 40% davon. Dazu kommt die Überarbeitung aller bisherigen Kapitel - erfreulicherweise sind auch für ältere Medikamente neue Studien hinzugekommen. Ich denke aber, die Attraktion des Buches beruhe idealerweise auf einer kurzen, sehr sorgfältig ausgesuchten Information. Diese richtig auszusuchen und darzustellen, braucht Zeit. Wenn alles gut läuft, sollte die Neuauflage aber doch gegen Ende des Jahres druckreif sein. Ob und wann wir jedoch nochmals eine englische Ausgabe für das Internet machen werden, weiss ich noch nicht. (Unser "Drug Guide", der auf den "100 wichtigen Medikamenten" beruht, wird jeden Tag von rund 5000 Personen konsultiert.)

Zum Schluss noch ein paar Zahlen, die unsere Aktivitäten in ein weiteres Umfeld stellen. Seit "pharma-kritik" existiert (d.h. seit 1979), hat der schweizerische Landesindex der Konsumentenpreise etwa 85% zugelegt. Der Preis eines Jahresabonnements unserer Zeitschrift ist nur um eine Spur stärker angestiegen, nämlich von 50 auf 96 Franken. Dazu ist allerdings anzumerken, dass wir heute für jedes versandte Heft gegenüber 1979 rund viermal höhere Portokosten bezahlen.

Was ist in dieser Zeit mit den Kosten der Pharmakotherapie geschehen? Gegen Ende der 1970er Jahre wurden in der Schweiz jährlich etwa 1,5 Milliarden Franken für Medikamente ausgegeben. Heute dürften es etwa 6 Milliarden sein, von denen mindestens 60% von den Krankenkassen getragen werden. (Genaue Zahlen sind schwierig zu eruieren, da heute nur noch zu den Herstellerabgabepreisen genaue Statistiken veröffentlicht werden.) Jedenfalls besteht kein Zweifel, dass im Bereich der Medikamentenkosten ein erhebliches Sparpotential vorhanden ist.

Sinnvoll sparen bedeutet aber, eine kostengünstigere Pharmakotherapie ohne Qualitätseinbusse sicherzustellen. Dass es sich hier um ein Anliegen handelt, dass uns sehr wichtig erscheint, haben wir in verschiedenen pharma-kritik-Nummern auch dieses Jahrgangs gezeigt. Ich erwähne als Beispiele meine Bemerkungen zum Tablettenteilen,(1) zu den Protonenpumpenhemmern (2) oder zur Asthmabehandlung. (3)

Vielleicht interessiert in diesem Zusammenhang, dass bisher weder unsere Zeitschrift noch die Stiftung info-pharma nennenswerte Beiträge seitens der Krankenversicherungen erhalten hat. Im Gegensatz dazu sind der Stiftung von ärztlichen Organisationen schon wiederholt grössere Beiträge gespendet worden. Kein Zweifel besteht auf alle Fälle, dass heute eine Pharma-Kritik nötiger denn je ist.

Standpunkte und Meinungen

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Dank, Projekte, Zahlen (24. April 2002)
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pharma-kritik, 23/No. 20
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